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Der falsche Traum vom Glück der Kaiserin

von Angelika Lukesch

THEATER Sisi ist in Hagelstadt zu neuem Leben erwacht. Die Theaterfreunde feierten mit
„Ich, Elisabeth – Kaiserin von Österreich“ eine umjubelte Premiere.

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Sisi – im Gespräch mit Kaiser Franz Joseph – kann sich nicht in das emotionslose spanische Hofzeremoniell einfinden.

HAGELSTADT. Träumen, lachen, weinen – bei dem Stück über die berühmte Kaiserin Elisabeth  von Österreich, das Heinz Beck für die Hagelstädter Theaterfreunde geschrieben hat, liegt dies alles sehr  nah beieinander. Die Zuschauer in der ausverkauften Mehrzweckhalle erlebten das Schicksal Sisis  von der ersten Begegnung mit Kaiser Franz Joseph an bis hin zu ihrem Tod durch ein Attentat und ihre Mystifizierung als wunderschöne tragische Figur der Geschichte.
Wer an Sisi denkt, denkt vor allem an „Sisi, die junge Kaiserin“, die Filmtrilogie von Ernst Marischka, mit der der Weltstar Romy Schneider einst berühmt wurde. Auch wenn sich die Schauspielerin selbst später von diesen gefühlvollen und glorifizierenden Filmen distanziert hat, konnte sie nicht verhindern, dass das Gesicht der Kaiserin von Elisabeth untrennbar mit ihrem Gesicht verbunden wurde. Die Hagelstädter  Theaterfreunde jedoch haben ein eigenes Sisi-Gesicht: Maria Fellner ist 27 Jahre alt, Gesangspädagogin, Realschullehrerin für Musik und Mathematik und gebürtige Hagelstädterin. Sie schlüpfte in die höchst anspruchsvolle Rolle der Kaiserin und bewies, wie schon beim „Ledigen Hof“ (2014 ) und dem „Sternsteinhof“ (2015), ihre beeindruckenden schauspielerischen Qualitäten.

Eine Sisi, die nicht altert

Maria Fellner gab der jungen, übermütigen, charmanten Sisi ein glaubwürdiges Gesicht, schlüpfte in die zunehmend von Tragik umwobene Rolle der erwachsenen Kaiserin und verwandelte sich durch Schicksalsschläge wie den Selbstmord ihres Sohnes Rudolf in eine schwarzgekleidete, gebrochene, von Todessehnsucht, gezeichnete Frau, derem Leben durch ein Attentat ein dramatisches Ende gesetzt wurde. Spannend: Sisi altert in Heinz Becks Inszenierung nicht. Dieser Kunstgriff, der Figur der Sisi während der ganzen Darstellung ihres Lebens das Legendenhafte der ewigen Schönheit und Jugend zu attestieren, hob das gesamte Theaterstück auf die Meta-Ebene der subjektiven Erzählung und der allgemeinen Kenntnis. Denn wie anders als jung und wunderschön haben wir die  Kaiserin Elisabeth in unseren Köpfen? Das Stück beginnt mit ihrem Tod. Zu Füßen von Sisis Sarg beginnt der große Rückblick auf  ihr Leben. Die Musik führt das Publikum auch emotional zurück in die Idylle des Schlosses Possenhofen, der bayerischen Heimat von Elisabeth. Gerhard Krizan spielt den Herzog Max in Bayern, Sisis Vater, mit wahrer Gemütlichkeit. Dem gegenübersteht seine ehrgeizige Frau Herzogin Ludovika in Bayern (Anne Schoss). Sisis Schwester Néné (Sophie Wittmann) komplettiert das Familienidyll, aus dem heraus der Wildfang Sisi mehr oder weniger durch Zufall Kaiser Franz Joseph, nonchalant gespielt von Michael Cencic, kennenlernt.

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Mitschwimmen im Gefühlsreigen

Man kennt die Geschichte: Kaiser Franz Joseph verliebt sich in Sisi und verschmäht Néné, die eigentlich von seiner Mutter Erzherzogin Sophie zur Gemahlin auserkoren war. Gisela Meier gab dieser wichtigen Figur das nötige strenge und kalte Gebaren. Sie bildete den Kontrapunkt zur warmherzigen Elisabeth, die sich nie in das spanische Hofzeremoniell einfinden konnte und stets nach Freiheit dürstete.
Heinz Beck komponierte das Leben der Kaiserin Sisi ,vor allem ihr Gefühlsleben, in einer langen Reihe von Schlüsselszenen zu einem Menschenschicksal. Das Publikum schwamm mit in diesem Gefühlsreigen, der von Heiterkeit der jungen Liebe zwischen Franz Joseph und Sisi zeugt und in die Todessehnsucht der alternden Kaiserin von Österreich mündet. Glaubhaft vermittelte Maria Fellner als Kaiserin von Österreich die Entwicklung der sensiblen Persönlichkeit Sisis, die sich, herausgerissen aus einer glücklichen Kindheit, in einem frustrierenden Leben wiederfindet, in dem sie sich einem emotionslosen Zeremoniell beugen und ihm sogar ihre Kinder opfern muss. Dramatisch ist die Szene, als sie versucht, ihren Sohn, Kronprinz Rudolf, aus den Fängen des militärischen Drills, der aus dem Sechsjährigen „einen Kaiser machen“ soll, zu entreißen. Aus dem Off klingt die Stimme des Kindes, das um Hilfe ruft, vor Angst und Schmer, vor Sehnsucht nach der Mutter. Schließlich kapituliert der Bub und flüchtet sich in eine gefühlsmäßige Starre, die ihn später zum Selbstmord treiben wird. Heinz Becks Stück „Ich, Elisabeth Kaiserin von Österreich“ ist ein gewaltiges Epos, das niemanden unberührt lässt. Die schauspielerischen Leistungen der Hagelstädter Theatercrew, die 32 Rollen besetzte, ist nicht hoch genug zu loben. Ebenso fantastisch sind Kostüme, Ausstattung, Masken, Licht und Ton sowie Bühnenbild, die aus dieser Aufführung ein Gesamtkunstwerk machen. Allein für die wunderschönen Kleider der Damen, die eigens für diese Aufführung geschneidert wurden, müsste eine separate Modenschau veranstaltet werden. Die Frisuren der Schauspielerinnen waren höchst kompliziert, Kaiserin Elisabeth wurde nach historischem Vorbild eingekleidet und frisiert. Das Ende der Kaiserin Elisabeth ist bekannterweise höchst tragisch, sie stirbt durch den Attentäter Luigi Lucheni an einem Stich mit einer Feile. So wurde es auch auf der Bühne nachgestellt. Doch damit endete diese Aufführung nicht. Das letzte Bild galt der Auferstehung des Mythos Elisabeth. Beim beeindruckenden Schlussbild steht Maria Fellner alias Kaiserin Elisabeth wie ihr eigenes Bild von Franz Xaver Winterhalter (1865) in einem Bilderrahmen, in diesem herrlichen weißen Kleid, übersät mit Sternen, die auch in ihrem Haar befestigt sind. Sie singt „Lass mich hier nicht zurück“, nach der Melodie von „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ (von Michael Kunze). Den Text hat Heinz Beck geschrieben und bezeichnet es als „Dankeschön an den Tod, der sie endlich von diesem Leben erlöst hat“: ein Gänsehautmoment.

Großes Premierenfieber
Interview mit Regisseur Heinz Beck

Welche Gefühle beherrschen Sie vor der Premiere einer so gewaltigen Aufführung?

Bei dieser Premiere hatte ich großes Premierenfieber. Nicht wegen des Stücks oder der Darsteller, sondern vor allen Dingen wegen des Ablaufs hinter der Bühne. Die vielen Bühnenumbauarbeiten, das viele und schnelle Umziehen mancher Darsteller, vor allem der Sisi (14 verschiedene Kleider), konnten wir eigentlich nur zweimal proben. Außerdem hat mir die Länge ein wenig Sorgen bereitet, ob der Zuschauer so lange dem Stück folgen will und kann. Deshalb ist der dritte Akt der inhaltlich intensivste und ausdrucksstärkste, so kann der Zuschauer am Ende noch einmal gefesselt werden.

Wie sah es bei der Premiere hinter den Kulissen aus? Große Aufregung oder ist alles ganz ruhig?

Natürlich ist man angespannt. Die Maske hat alle Hände voll zu tun und da viele berufstätig sind, haben sie nur knapp eineinhalb Stunden Zeit alles zu schaffen. Das ist wirklich Stress pur. Die Hauptdarsteller ziehen sich meistens etwas zurück und bereiten sich auf ihre Rolle vor. Ich bin jemand, der seine Aufregung und Angespanntheit gut verbirgt. Ich möchte meine Nervosität nicht auf die anderen übertragen, sondern beruhigend auf sie wirken.

All die schönen Kleider der Damen sind ein Augenschmaus! Wer hat sie entworfen? Woher kamen die Anregungen?

Alle Damenkleider wurden speziell für die Inszenierung angefertigt. DieEntwürfe und das Auswählen habe ich in erster Linie gemacht. Inklusive Schmuck, Accessoires und so weiter. Das hat mich viele Wochen und Monate an Arbeit gekostet. Beraten wurde ich auch von den Damen in der Maske. Wir mussten immer einen Blick darauf haben, wie schnell kann ein Kleid gewechselt werden. Die Farben der verschiedenen Kleider mussten abgestimmt werden. Der Großteil der Kleider wurde von speziellen Historienschneiderinnen in Deutschland gefertigt, die ich über Internet ausfindig gemacht habe. Einige der schönsten Kleider stammen von Linda Karl, eine begnadete Schneiderin aus Lupburg, die schon viele Jahre für uns die Kostüme anfertigt. Sie braucht nur ein Foto oder eine Zeichnung und zaubert die wunderschönsten Kleider.

MZ vom 31.10.2016

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Vier Stunden in einer anderen Welt
Theaterfreunde feiern mit „Ich, Elisabeth – Kaiserin von Österreich“ erfolgreiche Premiere

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Kaiser Franz Joseph (Michael Cencic) erwählt Elisabeth zu seiner Frau.

Hagelstadt.(ab) Und wieder ist dem Regisseur Heinz Beck zusammen mit der Crew der Hagelstädter Theaterfreunde in Hagelstadt ein Meisterstück gelungen. Mit „Ich, Elisabeth – Kaiserin von Österreich“ fand am Freitagabend in Hagelstadt die Premiere dieses Theaterstückes statt. Die Zuschauer konnten eine Vorstellung genießen, die sich nicht von einem professionellen Theater unterscheidet. „Wie  schaffen die das nur?“, war im Publikum zu vernehmen. Die Handschrift des Regisseurs Heinz Beck und fabelhafte Laiendarsteller, allen voran Maria Fellner als Elisabeth, machten es möglich. Der Ruf der Theaterfreunde Hagelstadt ist enorm. Es war deshalb zwar erstaunenswert, aber nachvollziehbar, dass schon seit Wochen alle Vorstellungen der diesjährigen Aufführung ausverkauft sind. Diese Nachricht konnte Regisseur Heinz Beck bei seiner Begrüßung bekanntgeben. Mehr jedoch ging er auf die Person Elisabeths ein. Ein Anliegen war es ihm, mit der Inszenierung der echten „Sissi“ wieder näher zu kommen, weg von den Sissi-Filmen aus den 50er Jahren mit Romy Schneider.
Das ist ihm auch gelungen. So beginnt das Theaterstück schon mal mit der Totenfeier der Kaiserin. Nach ihrer Ermordung 1898 liegt sie aufgebahrt, ein Rückblick erfolgt. Die beiden ersten Akte erinnern dann stark den Sissi-Filmen nachempfunden, ganze Textpassagen sind daraus. Dennoch ist die Person Elisabeths ungestümer und rebellischer als in den bekannten Filmen dargestellt, weg vom harmlosen lieben Mädchen. Maria Fellner überzeugt. Zunächst als schlichtes fröhliches Mädel, dann als leidende Kaiserin, vor allem durch das für sie drückende Hofzeremoniell, später als selbstbewusste Kaiserin,  versucht ihre Rechte durchzusetzen und schließlich auch als schwermütige, todessehnsüchtige Regentin.
Neben ihr glänzen die meisten Schauspieler in mehreren Rollen. Über 30 Rollen gibt es zu spielen, 14 Schauspieler agieren. Wunderbar dabei wie Willi Wittmann als Graf Andrassy den ungarischen Akzent spricht, später als Kutscher den österreichischen. Eine dankbare, da liebenswürdige Rolle hatte Gerhard Krizan als Herzog Max in Bayern. Man nimmt ihm seine Natürlichkeit und seine väterliche Liebe vom ersten Satz weg ab. Sehr überzeugend dagegen in einer unsympathischen Rolle Gisela Meier als Kaiser-Mutter. Ihre Strenge und Bedacht auf Etikette scheint echtes Anliegen zu sein.
Ein gelungener Kunstgriff auch die informellen Unterhaltungen zwischen den Akten von Alltagsfiguren, wie Wiener Frauen, Dienstmädchen, Kutscher und Zofen. So wird dem Besucher mitgeteilt, wie sich das Kaiserpaar versteht, welche Probleme Elisabeth mit ihrer Schwiegermutter hat, dass sie kaum in Wien weilt oder welche ihrer Kinder verstorben sind.
Zu dem schauspielerischen Können, kommen das raffinierte Bühnenbild, die ausgewählten umfangreichen Kostüme und die Musik hinzu. Der Besucher findet sich von Anfang an in der Welt der Kaiserin Elisabeth wieder. Ob das im Schloss Possenhofen ist oder in Korfu, mit der modernen Technik des Beamens für den Hintergrund, den passenden Möbelstücken und den vielen Kostümen, schien das einfach. Einfach allerdings nur für den Besucher, aufwändig für die Theaterfreunde.
Schon Elisabeth hat 14 verschiedene Kleider. 40 Kostüme wurden bei Historienschneiderinnen in Auftrag gegeben, vieles bei speziellen Kostümverleihen besorgt. Das Umziehen sei auch eine besondere Angelegenheit, erklärt eine Schauspielerin. „Alleine kann ich manches gar nicht ausziehen, schon gar nicht in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit. Da sind einige Leute hinter der Bühne, die uns allen helfen.“ Gut, dass es diese gibt, sie sind nämlich eine Augenweide, die Kostüme. Dazu die vielen Hochsteckfrisuren, die glänzenden Diademe, die Uniformen. Einen Höhepunkt gibt es nochmal am Ende der vierstündigen Vorstellung. Maria Fellner, feierlich in einem Rahmen stehend, singt überzeugend das von Michael Kunze komponierte und Heinz Beck getextete Stück „Lass mich hier nicht zurück“. Es gibt frenetischen Applaus – er gilt dem Vortrag, den Schauspielern, dem Stück, der Bühnendekoration – einfach allem. Das Publikum bedankt sich ehrlich dafür, vier Stunden in einer anderen Welt gewesen sein zu dürfen.

Allgem. Laber-Zeitung vom 31.10.2016

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