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Theaterfreunde zeigen „Cyrano in Buffalo“

Thomas Kreissl, MZ, 13.11.2002

Hagelstadt. Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Weil Regisseur Heinz Beck nicht nachgeben wollte, ist man Freitag in der Hagelstädter Mehrzweckhalle eine „Uraufführung“ zu sehen. Denn die Theaterfreunde dürfen Ken Ludwigs Komödie „Cyrano in Buffalo“ als erste deutsche Amateurbühne inszenieren. Das 1995 in Boston uraufgeführte Werk des amerikanischen Autors war bislang nur für Profibühnen vorbehalten. Nur weil Beck hartnäckig blieb und weil sich die Theaterfreunde mittlerweile einen sehr guten Ruf erspielt haben, drückte der Münchner Verlag ein Auge zu.
„Die Stückauswahl hat heuer viel mit meiner Lieblingsinszenierung zu tun“, gesteht der Regisseur und Vorsitzende der Theaterfreunde. Vor drei Jahren zeigten die Hagelstädter Laienspieler Ken Ludwigs Riesenerfolg „Otello darf nicht platzen“ – ein Stück von dem Beck noch heute schwärmt. Auf die bewährten Zutaten von 1999 setzt der Regisseur auch diesmal. Das Stück ist eine amüsante und witzige Verwechslungskomödie – und damit genau das Genre, in dem sich die Hagelstädter Laienspieler seit Jahren zuhause fühlen.
Heinz Beck ist überzeugt, für das Stück die optimale Besetzung gefunden zu haben. In den Reihen der acht Darsteller stehen drei Neulinge, die Beck gezielt ausgesucht hat. Denn der Truppe fehlten bislang vor allem junge Laienspieler Anfang der 20. Mit dem Ergebnis seiner Suche ist der Regisseur sehr zufrieden. „Unsere neuen Spieler sind ein absoluter Gewinn und bringen viel Elan mit“, betont er.
Junges Blut wünscht sich Beck auch auf seiner Position. Deshalb steht ihm mit Georg J. Lichtenegger erstmals ein Regieassistent zur Seite. Lichtenegger soll so langsam in die Rolle des Regisseurs hineinwachsen. Denn nach dem 25-jährigen Jubiläum der Theaterfreunde in zwei Jahren will sich Beck am Regiepult etwas rarer machen.
Doch im Augenblick steckt der Regisseur mit seiner Truppe noch voll in den Probenarbeiten zum neuen Stück rund um die etwas chaotische Schauspielerfamilie Hay. In puncto Ausstattung geht die Gruppe dabei wieder einmal in die Vollen. Gleich bei zwei Kostümverleihern und per Internet-Auktion suchten sich die Laienspieler originalgetreue Kleider und Requisiten zusammen, die ins Amerika der 50-er Jahre passe. Dabei sorgte der Zufall sogar für ein besonderes Originalstück. So wurde einer der im Internet ersteigerten Hüte laut Etikett in Buffalo, Bundesstaat New York, hergestellt. Eben dort, wo Ken Ludwig seine Komödie angesiedelt hat.


Fleissig geprobt wird derzeit noch bei den Theaterfreunden Hagelstadt


Die Maske

Theresa Haimerl kümmert sich seit drei Jahren um die Maske bei den Produktionen der Theaterfreunde. die 21-jährige Auszubildende hat dafür eigens einen Schminkkurs absolviert und kann mittlerweile sogar Hobby mit Beruf verbinden. Sie ist aber auch schon selbst auf der Bühne gestanden, doch ebenso viel Spaß macht es ihr, die Schauspielerkollegen zu schminken. Besonders wenn es darum geht, die einzelnen Typen eines Stücks mit Schminktechnik herauszuarbeiten und sie dabei noch natürlich wirken zu lassen, fühlt sie sich ganz in ihrem Metier. Bis zu zwei Stunden ist sie dafür vor der Aufführung beschäftigt.

Die Darsteller

Renate Thanner gehört seit 1998 zum festen Schauspieler-Stamm der Theaterfreunde. Dabei hat sie vor elf Jahren eigentlich als Souffleuse angefangen. Auf der Bühne hat es der 26-jährigen das Verwandeln angetan, „was ganz anderes sein, als im wirklichen Leben!. Ihre Traumrolle wäre der „Puck“ in Shakespeares „Sommernachtstraum“. An der Rolle der Charlotte Hay gefällt der Bankkauffrau, dass sie viele Gefühle reinbringen kann. Besonders reizvoll findet sie es, dass sie auf der Bühne nicht nur Charlotte Hay als Privatperson spielt, sondern sie auch als Schauspielerin verkörpert.

Wilhelm Wittmann verkörpert im aktuellen Stück den Anwalt Richard. Eine kleinere Rolle, um die der 47-jährige ganz froh ist. Bedeutet sie doch für den viel beschäftigten Bauingenieur und Musiker im Regensburger Grammophon-Orchester eine etwas geringere Belastung als zuletzt. Vor fünf Jahren wurde Wittmann von Heinz Beck quasi an der Haustüre rekrutiert. Seitdem hat es ihn gepackt. Die Spannung, die sich im Lauf der Proben aufbaut und die Nervosität, die immer da ist, reizen ihn ganz besonders. „Und in meinem Alter ist es ein gutes Gedächtnistrainig“, schmunzelt er.

Jessica Einspänner steht zum ersten Mal auf der Bühne eines Amateurtheaters. Die 21-jährige Moderatorin beim Regensburger Funkhaus hat zwar schon einige Erfahrung beim Schülertheater gesammelt, „aber noch nie so professionell gearbeitet“. An der Schauspielerei gefällt ihr vor allem, eine andere Person darzustellen, am Charakter zu feilen und das umzusetzen, was sich der Regisseur vorstellt. „Und die Kostüme sind toll“, ist die quirlige Laienspielerin von Stück und Rolle begeistert. Der Charakter der Pia Hay kommt ihr dabei sehr entgegen: „Sie ist irgendwie wie ich.“


Ein turbulenter Theater-Spaß



Mit einer turbulenten Boulevardkomödie begeistern die Theaterfreunde in Hagelstadt
derzeit ihr Publikum. "Cyrano in Buffalo" ist heute und am Wochenende noch dreimal zu sehen.


Wenn das Vergnügen den Atem raubt …

… dann spielen die Theaterfreunde Hagelstadt / Turbulente Komödie mit starken Darstellern

von Thomas Kreissl, MZ, 19.11.2002

HAGELSTADT. „Mag sein, das Theater ist nicht mehr das, was es einmal war. Mag sein, die Sternstunden sind rar geworden, seit diese Seuche, die sich Fernsehen schimpft, begonnen hat, um sich zu greifen“. Mag sein, dass Rose alias Gisela Meier in Ken Ludwigs Komödie „Cyrano in Buffalo“ die Lage richtig einschätzt. Doch die Theaterfreunde Hagelstadt sorgten am Wochenende für jene Sternstunden, die Fernsehen vergessen machen, eben weil es durch einen rundum vergnüglichen Theaterabend ersetzt wird. Mit ihrer turbulenten Boulevardkomödie rund ums Theaterleben im Amerika der 50-er Jahre zeigt die Truppe um Regisseur Heinz Beck, wie ungemein erfrischend und witzig Amateurtheater sein kann.

Dabei bekommen die Zuschauer in Hagelstadt auch noch eine Uraufführung zu sehen. Denn als erste Laienbühne dürfen die Theaterfreunde die Komödie spielen, die bislang allein Profibühnen vorbehalten war. Kein Wunder: Denn das an Verwechslungen und rasanten Verwicklungen reiche Stück fordert nicht nur absoluten schauspielerischen Einsatz, sondern auch eine einfallsreiche Inszenierung. Die Hagelstädter Laienspieltruppe leistet beides.


George im Souffleurkasten: Das Haysche Theaterensemble ist entsetzt.

Der Aufführung ist es deutlich anzusehen – Boulevardkomödien sind ein Terrain, auf dem sich Regisseur Heinz Beck (heuer erstmals unterstützt von Regieassistent Georg Lichtenegger) wohlfühlt. Hier darf, hier muss er in die Vollen greifen: ob beim stimmigen und enorm detailverliebten Bühnenbild, bei den mit sicherer Hand ausgewählten Musikeinspielungen oder - und das vor allem - bei den sehr stark besetzten und herrlich überzeichneten Charakteren. Dass Heinz Beck das Theater liebt, braucht er eigentlich in seiner Anmoderation gar nicht mehr sagen - in den folgenden zweieinhalb Stunden sieht es jeder.

Ein Satz, der auch für seine Laienspieler so stehen bleiben kann. Allen voran Stefan
Effenhauser als George Hay, dem Oberhaupt der reichlich chaotischen Schauspielerfamilie Hay. Effenhauser spielen zu sehen, ist ein oft atemberaubendes Vergnügen. Mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz rennt dieser tragikomische Held mit einem enormen Tempo von einer Katastrophe in die nächste und leidet dabei mit jeder Faser seines Körpers. Ob als verwegen fechtender Cyrano, eifersüchtiger Ehemann, ertappter Ehebrecher, oder sturzbetrunkener Schauspieler - Effenhauser wirbelt, taumelt, stürzt und kriecht beinahe pausenlos über die Bühne und lässt gar nicht glauben, was man alles mit seinem Gesicht machen kann.



George in Rage: Da müssen Charlotte und Jungschauspieler
Paul schon kräftig zupacken

Und Stefan Effenhauser hat Darsteller an seiner Seite, die sein Spiel und das Stück erst so richtig zum Vergnügen machen. Da ist Renate Thanner als seine Frau Charlotte Hay, die höchst überzeugend und sehr ausdrucksstark das Muster einer eitlen und selbstverliebten Diva gibt. Absolut sehenswert ist ihre Playback-Interpretation des Doris-Day-Klassikers „Lullaby of Broadway“. Oder aber Jessica Einspänner als beider Tochter Pia, die bei ihrer Bühnenpremiere mit einer schier umwerfenden Frische und Lebendigkeit zu Werke geht. Wie sie die improvisierende, da allein gelassene Mimin auf der Hay'schen Bühne gibt, das ist echte Schauspielkunst.

Um ihre Gunst im Clinch liegen der trottelig-schüchterne Meteorologe Howard (Bernhard Rank) und der „Mann für alles“ in der arg heruntergekommenen Theaterwelt der Hays, Jungschauspieler Paul (Georg Lichtenegger). Über allem familiären und theatermäßigen Unbill agiert die schwerhörige Rose, ein Unikum, das Gisela Meier köstlich auf die Bühne bringt. Das Ensemble vervollständigen Willi Wittmann als staubtrockener Anwalt Richard und die ebenso langbeinige wie naiv-unschuldige Eileen, die Bettina Reichl verkörpert.

Die Theaterfreunde zeigen „Cyrano in Buffalo“ noch insgesamt dreimal in der Hagelstädter Mehrzweckhalle. Karten für die Aufführungen heute und am Samstag um 19.30 Uhr sowie am Freitag um 20 Uhr gibt es noch an den jeweiligen Abendkassen sowie im Vorverkauf bei der Raiffeisenbank Hagelstadt, Tel. (0 94 53) 80 97.