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Sisi darf noch einmal auf die Bühne

von Michael Jaumann und Yvonne Weigl

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Als die ewig junge und schöne Kaiserin ist „Sisi“ im Bewusstsein der Menschen präsent.

KULTUR Die Theatergruppe Hagelstadt spielt das Episodenstück „Ich, Elisabeth“ eine weitere Saison. Eine Ausnahmegenehmigung macht die Hallennutzung möglich.

HAGELSTADT. Das Theaterstück „Ich, Elisabeth“ geht in die zweite Saison. Mit einer Ausnahmegenehmigung des Landratsamts darf die Theatergruppe in der wegen Brandschutzproblemen für Veranstaltungen eigentlich gesperrten Mehrzweckhalle spielen.
„Ich, Elisabeth“ ist ein Episodenstück über die berühmte österreichische Kaiserin Sisi. Damit haben die Hagelstädter Theaterfreunde im letzten Jahr einen großen Erfolg gefeiert. Innerhalb kürzester Zeit waren alle 2000 Eintrittskarten verkauft. Nun hat sich die Theatergruppe um Regisseur Heinz Beck entschlossen, die aufwendige Inszenierung auch dieses Jahr auf den Spielplan zunehmen.

Sie wurde in Genf ermordet

Als am 10. September 1898 die Nachricht von der Ermordung der Kaiserin Elisabeth von Österreich bekannt wurde, war ganz Europa schockiert. Sisis tragischer Tod in Genf durch die Hand eines italienischen Anarchisten war das Ende eines bewegten, unglücklichen und oft missverstandenen Lebens einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Er trug aber auch entscheidend zur Entstehung eines Mythos bei, den Elisabeth schon zu Lebzeiten durch ihren unkonventionellen Lebensstil gefördert hatte. Sie ist als ewig junge und schöne Kaiserin in die Geschichte eingegangen.
Die Geschichte, die die Theaterfreunde erzählen, beginnt mit Sisis unbeschwerter Jugend in Schloss Possenhofen am Starnberger See. Ein Zufall wollte es, dass sich der junge österreichische Kaiser Franz Joseph I. in sie verliebte und sie 1854 mit nur 16 Jahren zur Kaiserin machte. Schon bald merkte die freiheitsliebende Elisabeth, dass sie durch das strenge Zeremoniell am Wiener Hof zur sehr eingeengt und ihr Pflichten auferlegt wurden, denen sie nur ungern Folge leistete. Sie schenkte vier Kindern das Leben, deren Erziehung – gegen Sisis Willen – hauptsächlich ihrer Schwiegermutter, der Erzherzogin Sophie, oblag.
Der frühe Tod ihrer Tochter Sophie und der Selbstmord des Thronfolgers Rudolph machten aus Elisabeth eine trauernde, verzweifelte Frau, die sich in Isolation und Krankheit flüchtete. Einen Großteil ihres Lebens verbrachte Sisi ohne ihren Mann auf Reisen in Europa, Kleinasien und Nordafrika, fernab des so sehr gehassten Lebens am kaiserlichen Hof in Wien.

Eine aufwendige Inszenierung

14 Bühnenbilder, opulente Kostüme und eine aufwendige Bühnentechnik lassen den Zuschauer eintauchen in das Leben einer ungewöhnlichen Persönlichkeit, ihre Rolle als Kaiserin von Österreich, ihre Auflehnung gegen das Hofleben, ihre Flucht in Schönheitskult, Schlankheitswahn, sportliche Höchstleistungen und schwärmerische Poesie. Allein Sisis Rolle benötigt 14 verschiedene Kleider. Und die weiblichen Darsteller schlüpfen in fast 40 Kostüme. Mindestens vier verschiedene Frisuren für Sisi müssen gestaltet werden.
Bereits vor fünf Jahren begeisterte Heinz Beck sein Publikum mit dem Episodenstück „Ludwig“, indem er das Leben und die Person des Märchenkönigs Ludwig II. beschrieb. Schon damals kam ihm die Idee zu dem Stück über „Sisi“, die Kaiserin von Österreich. Sisi hat im Leben Ludwigs sogar eine wichtige Rolle gespielt. Wobei für Beck, dem Regisseur und Autor bei den Hagelstädter Theaterfreunden, Ludwig
und Sisi vieles gemeinsam hatten.
Beck findet, dass der Mythos Ludwig und der Mythos Sisi das Bild der wirklichen Menschen allmählich überdeckt hat. Während Ludwig heute als Märchenkönig gilt, wurde Sisi als schöne, perfekte Kaiserin im Gedächtnis der Menschen bewahrt. Beck will dagegen in seinem Stück der echten Elisabeth, der historischen Figur, wieder näherkommen.
Dass man sich nach dem Episodenstück „Ludwig“ nun noch eine weitere Theatersaison auf „Ich, Elisabeth“ freuen darf, ist durch eine Ausnahmegenehmigung möglich geworden, erklärt Bürgermeister Dr. Bernhard Bausenwein. Diese hat das Landratsamt der Truppe unter verschiedenen Auflagen erteilt. Eigentlich hat die Gemeinde, um einer Nutzungsuntersagung durch das Landratsamt zuvorzukommen, im Sommer alle Veranstaltungen gekippt, die über den Schul- und Vereinssport sowie die Mittagsbetreuung der Schule hinausgehen. Hintergrund sind vor allem Mängel im Brandschutz, die das Landratsamt erkannt hatte.
Die Nutzung der Halle konnte über eine Einzelgenehmigung erteilt werden, so der Bürgermeister. Das Landratsamt hat damit auf die Zwangslage der Theatergruppe reagiert. Die befand sich in der Zwickmühle, weil die Hallensperrung zu kurzfristig kam, um eine Ersatzspielstätte finden zu können. Wie das Landratsamt und Theatervorsitzende Sophie Wittmann auf Anfrage der Mittelbayerischen mitteilten, konnte mit aufwendigen zusätzlichen Kompensationsmaßnahmen – dazu zählen ständige Brandwachen an allen Fluchttüren, Bereitstellung eines Löschfahrzeugs, zusätzliche Feuerlöscher, Ertüchtigung der Notbeleuchtung – die Nutzung für die Theatergruppe für acht Vorstellungen von jeweils vier Stunden Spielzeit bei einer Besucherzahl von etwa 200 Personen in diesem Jahr ausnahmsweise zugelassen werden.

Beanstandungen teilweise behoben

Eine vollumfängliche Nutzung kann aber vor Abschluss der anstehenden Sanierungsarbeiten und der brandschutztechnischenErtüchtigung nicht beibehalten werden, heißt es aus dem Landratsamt. Nicht möglich seien deshalb vor einer Ertüchtigung der Halle alle weiteren Veranstaltungen wie Bälle, Märkte oder eben die Bürgerversammlungen. Die Beanstandungen sind laut Bürgermeister zum Teil bereits behoben, und die Halle werde 2018 entsprechend nachgerüstet. Die Maßnahmen seien nach den Worten des Bürgermeisters überschaubar. So gehe es etwa darum, eine Brandschutztüre wieder einzubauen und Schließvorrichtungen an den Türen anzubringen. Bei vier Notausgängen in der Halle schätze er die Gefahr für Leib und Leben aber bereits jetzt als äußerst gering ein, merkte Bausenwein an.

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Mit opulenter Ausstattung glänzt das Episodenstück „Ich, Elisabeth“.

MZ vom 11.12.2017

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Der falsche Traum vom Glück der Kaiserin

von Angelika Lukesch

THEATER Sisi ist in Hagelstadt zu neuem Leben erwacht. Die Theaterfreunde feierten mit
„Ich, Elisabeth – Kaiserin von Österreich“ eine umjubelte Premiere.

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Sisi – im Gespräch mit Kaiser Franz Joseph – kann sich nicht in das emotionslose spanische Hofzeremoniell einfinden.

HAGELSTADT. Träumen, lachen, weinen – bei dem Stück über die berühmte Kaiserin Elisabeth  von Österreich, das Heinz Beck für die Hagelstädter Theaterfreunde geschrieben hat, liegt dies alles sehr  nah beieinander. Die Zuschauer in der ausverkauften Mehrzweckhalle erlebten das Schicksal Sisis  von der ersten Begegnung mit Kaiser Franz Joseph an bis hin zu ihrem Tod durch ein Attentat und ihre Mystifizierung als wunderschöne tragische Figur der Geschichte.
Wer an Sisi denkt, denkt vor allem an „Sisi, die junge Kaiserin“, die Filmtrilogie von Ernst Marischka, mit der der Weltstar Romy Schneider einst berühmt wurde. Auch wenn sich die Schauspielerin selbst später von diesen gefühlvollen und glorifizierenden Filmen distanziert hat, konnte sie nicht verhindern, dass das Gesicht der Kaiserin von Elisabeth untrennbar mit ihrem Gesicht verbunden wurde. Die Hagelstädter  Theaterfreunde jedoch haben ein eigenes Sisi-Gesicht: Maria Fellner ist 27 Jahre alt, Gesangspädagogin, Realschullehrerin für Musik und Mathematik und gebürtige Hagelstädterin. Sie schlüpfte in die höchst anspruchsvolle Rolle der Kaiserin und bewies, wie schon beim „Ledigen Hof“ (2014) und dem „Sternsteinhof“ (2015), ihre beeindruckenden schauspielerischen Qualitäten.

Eine Sisi, die nicht altert

Maria Fellner gab der jungen, übermütigen, charmanten Sisi ein glaubwürdiges Gesicht, schlüpfte in die zunehmend von Tragik umwobene Rolle der erwachsenen Kaiserin und verwandelte sich durch Schicksalsschläge wie den Selbstmord ihres Sohnes Rudolf in eine schwarzgekleidete, gebrochene, von Todessehnsucht, gezeichnete Frau, derem Leben durch ein Attentat ein dramatisches Ende gesetzt wurde. Spannend: Sisi altert in Heinz Becks Inszenierung nicht. Dieser Kunstgriff, der Figur der Sisi während der ganzen Darstellung ihres Lebens das Legendenhafte der ewigen Schönheit und Jugend zu attestieren, hob das gesamte Theaterstück auf die Meta-Ebene der subjektiven Erzählung und der allgemeinen Kenntnis. Denn wie anders als jung und wunderschön haben wir die  Kaiserin Elisabeth in unseren Köpfen? Das Stück beginnt mit ihrem Tod. Zu Füßen von Sisis Sarg beginnt der große Rückblick auf  ihr Leben. Die Musik führt das Publikum auch emotional zurück in die Idylle des Schlosses Possenhofen, der bayerischen Heimat von Elisabeth. Gerhard Krizan spielt den Herzog Max in Bayern, Sisis Vater, mit wahrer Gemütlichkeit. Dem gegenübersteht seine ehrgeizige Frau Herzogin Ludovika in Bayern (Anne Schoss). Sisis Schwester Néné (Sophie Wittmann) komplettiert das Familienidyll, aus dem heraus der Wildfang Sisi mehr oder weniger durch Zufall Kaiser Franz Joseph, nonchalant gespielt von Michael Cencic, kennenlernt.

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Mitschwimmen im Gefühlsreigen

Man kennt die Geschichte: Kaiser Franz Joseph verliebt sich in Sisi und verschmäht Néné, die eigentlich von seiner Mutter Erzherzogin Sophie zur Gemahlin auserkoren war. Gisela Meier gab dieser wichtigen Figur das nötige strenge und kalte Gebaren. Sie bildete den Kontrapunkt zur warmherzigen Elisabeth, die sich nie in das spanische Hofzeremoniell einfinden konnte und stets nach Freiheit dürstete.
Heinz Beck komponierte das Leben der Kaiserin Sisi ,vor allem ihr Gefühlsleben, in einer langen Reihe von Schlüsselszenen zu einem Menschenschicksal. Das Publikum schwamm mit in diesem Gefühlsreigen, der von Heiterkeit der jungen Liebe zwischen Franz Joseph und Sisi zeugt und in die Todessehnsucht der alternden Kaiserin von Österreich mündet. Glaubhaft vermittelte Maria Fellner als Kaiserin von Österreich die Entwicklung der sensiblen Persönlichkeit Sisis, die sich, herausgerissen aus einer glücklichen Kindheit, in einem frustrierenden Leben wiederfindet, in dem sie sich einem emotionslosen Zeremoniell beugen und ihm sogar ihre Kinder opfern muss. Dramatisch ist die Szene, als sie versucht, ihren Sohn, Kronprinz Rudolf, aus den Fängen des militärischen Drills, der aus dem Sechsjährigen „einen Kaiser machen“ soll, zu entreißen. Aus dem Off klingt die Stimme des Kindes, das um Hilfe ruft, vor Angst und Schmer, vor Sehnsucht nach der Mutter. Schließlich kapituliert der Bub und flüchtet sich in eine gefühlsmäßige Starre, die ihn später zum Selbstmord treiben wird. Heinz Becks Stück „Ich, Elisabeth Kaiserin von Österreich“ ist ein gewaltiges Epos, das niemanden unberührt lässt. Die schauspielerischen Leistungen der Hagelstädter Theatercrew, die 32 Rollen besetzte, ist nicht hoch genug zu loben. Ebenso fantastisch sind Kostüme, Ausstattung, Masken, Licht und Ton sowie Bühnenbild, die aus dieser Aufführung ein Gesamtkunstwerk machen. Allein für die wunderschönen Kleider der Damen, die eigens für diese Aufführung geschneidert wurden, müsste eine separate Modenschau veranstaltet werden. Die Frisuren der Schauspielerinnen waren höchst kompliziert, Kaiserin Elisabeth wurde nach historischem Vorbild eingekleidet und frisiert. Das Ende der Kaiserin Elisabeth ist bekannterweise höchst tragisch, sie stirbt durch den Attentäter Luigi Lucheni an einem Stich mit einer Feile. So wurde es auch auf der Bühne nachgestellt. Doch damit endete diese Aufführung nicht. Das letzte Bild galt der Auferstehung des Mythos Elisabeth. Beim beeindruckenden Schlussbild steht Maria Fellner alias Kaiserin Elisabeth wie ihr eigenes Bild von Franz Xaver Winterhalter (1865) in einem Bilderrahmen, in diesem herrlichen weißen Kleid, übersät mit Sternen, die auch in ihrem Haar befestigt sind. Sie singt „Lass mich hier nicht zurück“, nach der Melodie von „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ (von Michael Kunze). Den Text hat Heinz Beck geschrieben und bezeichnet es als „Dankeschön an den Tod, der sie endlich von diesem Leben erlöst hat“: ein Gänsehautmoment.

Großes Premierenfieber
Interview mit Regisseur Heinz Beck

Welche Gefühle beherrschen Sie vor der Premiere einer so gewaltigen Aufführung?

Bei dieser Premiere hatte ich großes Premierenfieber. Nicht wegen des Stücks oder der Darsteller, sondern vor allen Dingen wegen des Ablaufs hinter der Bühne. Die vielen Bühnenumbauarbeiten, das viele und schnelle Umziehen mancher Darsteller, vor allem der Sisi (14 verschiedene Kleider), konnten wir eigentlich nur zweimal proben. Außerdem hat mir die Länge ein wenig Sorgen bereitet, ob der Zuschauer so lange dem Stück folgen will und kann. Deshalb ist der dritte Akt der inhaltlich intensivste und ausdrucksstärkste, so kann der Zuschauer am Ende noch einmal gefesselt werden.

Wie sah es bei der Premiere hinter den Kulissen aus? Große Aufregung oder ist alles ganz ruhig?

Natürlich ist man angespannt. Die Maske hat alle Hände voll zu tun und da viele berufstätig sind, haben sie nur knapp eineinhalb Stunden Zeit alles zu schaffen. Das ist wirklich Stress pur. Die Hauptdarsteller ziehen sich meistens etwas zurück und bereiten sich auf ihre Rolle vor. Ich bin jemand, der seine Aufregung und Angespanntheit gut verbirgt. Ich möchte meine Nervosität nicht auf die anderen übertragen, sondern beruhigend auf sie wirken.

All die schönen Kleider der Damen sind ein Augenschmaus! Wer hat sie entworfen? Woher kamen die Anregungen?

Alle Damenkleider wurden speziell für die Inszenierung angefertigt. Die Entwürfe und das Auswählen habe ich in erster Linie gemacht. Inklusive Schmuck, Accessoires und so weiter. Das hat mich viele Wochen und Monate an Arbeit gekostet. Beraten wurde ich auch von den Damen in der Maske. Wir mussten immer einen Blick darauf haben, wie schnell kann ein Kleid gewechselt werden. Die Farben der verschiedenen Kleider mussten abgestimmt werden. Der Großteil der Kleider wurde von speziellen Historienschneiderinnen in Deutschland gefertigt, die ich über Internet ausfindig gemacht habe. Einige der schönsten Kleider stammen von Linda Karl, eine begnadete Schneiderin aus Lupburg, die schon viele Jahre für uns die Kostüme anfertigt. Sie braucht nur ein Foto oder eine Zeichnung und zaubert die wunderschönsten Kleider.

MZ vom 31.10.2016

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Vier Stunden in einer anderen Welt
Theaterfreunde feiern mit „Ich, Elisabeth – Kaiserin von Österreich“ erfolgreiche Premiere

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Kaiser Franz Joseph (Michael Cencic) erwählt Elisabeth zu seiner Frau.

Hagelstadt.(ab) Und wieder ist dem Regisseur Heinz Beck zusammen mit der Crew der Hagelstädter Theaterfreunde in Hagelstadt ein Meisterstück gelungen. Mit „Ich, Elisabeth – Kaiserin von Österreich“ fand am Freitagabend in Hagelstadt die Premiere dieses Theaterstückes statt. Die Zuschauer konnten eine Vorstellung genießen, die sich nicht von einem professionellen Theater unterscheidet. „Wie  schaffen die das nur?“, war im Publikum zu vernehmen. Die Handschrift des Regisseurs Heinz Beck und fabelhafte Laiendarsteller, allen voran Maria Fellner als Elisabeth, machten es möglich. Der Ruf der Theaterfreunde Hagelstadt ist enorm. Es war deshalb zwar erstaunenswert, aber nachvollziehbar, dass schon seit Wochen alle Vorstellungen der diesjährigen Aufführung ausverkauft sind. Diese Nachricht konnte Regisseur Heinz Beck bei seiner Begrüßung bekanntgeben. Mehr jedoch ging er auf die Person Elisabeths ein. Ein Anliegen war es ihm, mit der Inszenierung der echten „Sissi“ wieder näher zu kommen, weg von den Sissi-Filmen aus den 50er Jahren mit Romy Schneider.
Das ist ihm auch gelungen. So beginnt das Theaterstück schon mal mit der Totenfeier der Kaiserin. Nach ihrer Ermordung 1898 liegt sie aufgebahrt, ein Rückblick erfolgt. Die beiden ersten Akte erinnern dann stark den Sissi-Filmen nachempfunden, ganze Textpassagen sind daraus. Dennoch ist die Person Elisabeths ungestümer und rebellischer als in den bekannten Filmen dargestellt, weg vom harmlosen lieben Mädchen. Maria Fellner überzeugt. Zunächst als schlichtes fröhliches Mädel, dann als leidende Kaiserin, vor allem durch das für sie drückende Hofzeremoniell, später als selbstbewusste Kaiserin,  versucht ihre Rechte durchzusetzen und schließlich auch als schwermütige, todessehnsüchtige Regentin.
Neben ihr glänzen die meisten Schauspieler in mehreren Rollen. Über 30 Rollen gibt es zu spielen, 14 Schauspieler agieren. Wunderbar dabei wie Willi Wittmann als Graf Andrassy den ungarischen Akzent spricht, später als Kutscher den österreichischen. Eine dankbare, da liebenswürdige Rolle hatte Gerhard Krizan als Herzog Max in Bayern. Man nimmt ihm seine Natürlichkeit und seine väterliche Liebe vom ersten Satz weg ab. Sehr überzeugend dagegen in einer unsympathischen Rolle Gisela Meier als Kaiser-Mutter. Ihre Strenge und Bedacht auf Etikette scheint echtes Anliegen zu sein.
Ein gelungener Kunstgriff auch die informellen Unterhaltungen zwischen den Akten von Alltagsfiguren, wie Wiener Frauen, Dienstmädchen, Kutscher und Zofen. So wird dem Besucher mitgeteilt, wie sich das Kaiserpaar versteht, welche Probleme Elisabeth mit ihrer Schwiegermutter hat, dass sie kaum in Wien weilt oder welche ihrer Kinder verstorben sind.
Zu dem schauspielerischen Können, kommen das raffinierte Bühnenbild, die ausgewählten umfangreichen Kostüme und die Musik hinzu. Der Besucher findet sich von Anfang an in der Welt der Kaiserin Elisabeth wieder. Ob das im Schloss Possenhofen ist oder in Korfu, mit der modernen Technik des Beamens für den Hintergrund, den passenden Möbelstücken und den vielen Kostümen, schien das einfach. Einfach allerdings nur für den Besucher, aufwändig für die Theaterfreunde.
Schon Elisabeth hat 14 verschiedene Kleider. 40 Kostüme wurden bei Historienschneiderinnen in Auftrag gegeben, vieles bei speziellen Kostümverleihen besorgt. Das Umziehen sei auch eine besondere Angelegenheit, erklärt eine Schauspielerin. „Alleine kann ich manches gar nicht ausziehen, schon gar nicht in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit. Da sind einige Leute hinter der Bühne, die uns allen helfen.“ Gut, dass es diese gibt, sie sind nämlich eine Augenweide, die Kostüme. Dazu die vielen Hochsteckfrisuren, die glänzenden Diademe, die Uniformen. Einen Höhepunkt gibt es nochmal am Ende der vierstündigen Vorstellung. Maria Fellner, feierlich in einem Rahmen stehend, singt überzeugend das von Michael Kunze komponierte und Heinz Beck getextete Stück „Lass mich hier nicht zurück“. Es gibt frenetischen Applaus – er gilt dem Vortrag, den Schauspielern, dem Stück, der Bühnendekoration – einfach allem. Das Publikum bedankt sich ehrlich dafür, vier Stunden in einer anderen Welt gewesen sein zu dürfen.

Allgem. Laber-Zeitung vom 31.10.2016

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Sisi feiert Premiere in Hagelstadt

von Angelika Lukesch

UNTERHALTUNG „Ich, Elisabeth, Kaiserin von Österreich“ heißt das neueste Stück der Theaterfreunde. Am 28. Oktober ist Premiere in der Mehrzweckhalle.

HAGELSTADT. Wer kennt sie nicht, die schöne Elisabeth, Kaiserin von Österreich? Irgendwann hat jeder schon einmal die drei berühmten Unterhaltungsfilme von Ernst Marischka (Regie und Drehbuch) über „Sisi“ gesehen, die bis heute immer wieder im Fernsehen gezeigt werden. Kaiserin Elisabeth jedoch war ein sehr komplizierter Charakter, der in den romantischen Filmen verklärt wurde. Heinz Beck, Regisseur und Autor bei den Hagelstädter Theaterfreunden, nahm sich der großen Aufgabe an, das Leben dieser berühmten Frau in einem Episodenstück darzustellen.

Das gleiche Schicksal erlitten

Bereits vor fünf Jahren begeisterte Heinz Beck sein Publikum mit dem Episodenstück „Ludwig“, in dem er das Leben und die Person des Märchenkönigs Ludwig II. beschrieb. Schon damals kam ihm die Idee zu einem Stück über „Sisi“, der Kaiserin von Österreich. Sie habe auch im Leben Ludwigs eine wichtige Rolle gespielt, erklärt Beck. „Wobei die Beziehung Ludwig-Sisi nicht so war, wie sie immer gerne gesehen wurde. Aber die beiden hatten vieles gemeinsam… Sie waren Wittelsbacher, beide waren Verweigerer, sie hassten die höfischen Zwänge, das Zur-Schau-gestellt-werden, sie liebten die Natur, die Einsamkeit, die Literatur, die Poesie. Sie waren Seelenverwandte. Und beide erlitten das gleiche Schicksal – ihr Tod machte beide zum Mythos.“ Der Autor erklärt, dass eben dieser Mythos das Bild der wirklichen Menschen allmählich überdeckt habe. Ludwig wurde zum Märchenkönig, Sisi zur schönen, perfekten Kaiserin. „Der Höhepunkt der Verkitschung: die beiden als Traumpaar! Die Wahrheit ist: Ludwig war homosexuell und Elisabeth wollte schon früh nichts mehr von den Männern wissen“, erklärt Beck. Er will in seinem Stück der echten Elisabeth, der historischen Figur, wieder näherkommen und sie so zeigen, wie sie wirklich war: eine Kaiserin wider Willen, die ihr Leben lang für ihre Sache kämpfen musste. „Ihr Leben begann so glücklich und unbeschwert und verlief und endete auf so tragische Weise!“ Über Kaiserin Sisi gibt es im Moment kein anderes Bühnenstück außer dem Musical „Elisabeth“. Grund genug für Heinz Beck, sich selbst auf die Suche zu machen. „Seit über einem Jahr beschäftige ich mich mit dem Thema Sisi, das ich nach Ludwig im Theater umsetzen wollte. Das funktioniert aber nur, wenn man die passenden Spieler für die Hauptrollen (Sisi, Franz Joseph) hat. Diese habe ich nun und deshalb wurde aus einer Idee ein neues Theaterprojekt“, erklärt Heinz Beck. Er steckte viel Arbeit in die Suche in Archiven und Bibliotheken, las jedes Buch zu diesem Thema, schaute sich jeden Film an, las Drehbücher. Schließlich destillierte er aus diesen ganzen Informationsreichtum einzelne Schlüsselszenen aus Kaiserin Sisis Leben, die Einblicke in deren Leben geben und den Charakter der Kaiserin erahnen lassen. Das Stück beginnt in Possenhofen kurze Zeit vor ihrer Hochzeit und endet mit ihrem Tod am Genfer See. Wichtige Themen und Ereignisse werden aufgegriffen und episodenhaft mit so genannten Zwischenspielen verbunden. Das Stück umfasst zirka 45 Jahre aus dem Leben Elisabeths. 37 Rollen mussten besetzt werden. Dies schafft Heinz Beck mit nur 13 Darstellern, die zum Teil in Doppelbesetzungen spielen. Manche Schauspieler übernehmen sogar fünf verschiedene Rollen. Auch die Bühnenbilder, insgesamt 14 an der Zahl, fordern die Hagelstädter Theaterfreunde ganz gehörig. „Die Ausstattung der einzelnen Bühnenbilder ist auf das Allernötigste reduziert, um einen schnellen Wechsel bewerkstelligen zu können. Es wird wieder mit Hintergrundprojektionen gearbeitet.“

Kostüme in China geschneidert

Den größten Aufwand machen naturgemäß die Kostüme eines solchen gewaltigen Bühnenwerks, das in Sisis Epoche spielt. Allein ihre Rolle benötigt 14 verschiedene Kleider. Die weiblichen Darsteller brauchen fast 40 Kostüme. Lediglich bei den Männern ist es etwas einfacher, weil diese meist Uniform oder Gehrock tragen. „Bei den Frauen beginnen wir mit Krinolinenkleidern und enden mit Tournürkleidern. Wir haben fast alle Kostüme für die Darstellerinnen anfertigen lassen, teilweise von speziellen Historienschneiderinnen. Einzelne Kostüme haben wir sogar in China schneidern lassen“, erzählt der Regisseur. Auch die Damen der Maske haben bei dieser Inszenierung gut zu tun. Mindestens vier verschiedene Frisuren für Sisi müssen gestaltet werden und auch bei allen anderen Darstellerinnen sind die Frisuren sehr aufwändig. Die Besucher des Stücks „Ich, Elisabeth, Kaiserin von Österreich“, das am 28. Oktober um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Hagelstadt Premiere haben wird, können sich auf einen wahren Augenschmaus einstellen und auf die aufschlussreiche Lebensbeschreibung einer berühmten historischen Person, deren wahrer Charakter durch Romantisierung und Verkitschung verloren gegangen ist.

MZ vom 06.09.2016

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Das „echte“ Leben der Sissi
Theaterfreunde bringen Episodenstück „Ich, Elisabeth“ auf die Bühne

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Kaiserin Elisabeth (links; Sira Pilzecker) mit ihrer Schwester Sophie (Sophie Wittmann) in dem Stück „Ludwig II.“ aus dem Jahr 2011. Dieses Jahr ist Sissi erneut Thema bei den Hagelstädter Theaterfreunden mit dem Episodenstück „Ich, Elisabeth – Kaiserin von Österreich“ mit Maria Fellner in der Titelrolle.

Hagelstadt. (ab) Mit ihrer diesjährigen Theaterproduktion „Ich, Elisabeth“ haben sich die Hagelstädter Theaterfreunde e.V. unter der Regie von Heinz Beck das Leben der berühmten Kaiserin Elisabeth von Österreich vorgenommen, die von ihrer Familie liebevoll Sissi genannt wurde.

Am 10. September 1898 schockierte die Nachricht Europa: Kaiserin Elisabeth von Österreich ermordet! Elisabeths tragischer Tod war das Ende eines bewegten, unglücklichen und oft missverstandenen Lebens einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Er trug aber auch entscheidend zur Entstehung eines Mythos bei, den Elisabeth schon zu Lebzeiten durch ihren unkonventionellen Lebensstil gefördert hatte. Sie ist als ewig junge und schöne Kaiserin in die Geschichte eingegangen. Sie galt über drei Jahrzehnte als schönste Monarchin Europas. Politisch äußerte sie sich in den letzten Jahrzehnten ihres Lebens kaum und aus der Öffentlichkeit hatte sie sich stark zurückgezogen.

Sissi wurde am 24. Dezember 1837 als zweite Tochter des Herzogs Max in Bayern und seiner Frau Ludovika geboren und verbrachte mit ihren sieben Geschwistern eine unbeschwerte Kindheit in München und im Schloss Possenhofen am Starnberger See. Das Episodenstück der Theaterfreunde setzt an diesem Lebensabschnitt ein und erzählt vom Kennenlernen und der Hochzeit mit dem österreichischen Kaiser Franz Joseph, ihren unglücklichen Jahren am Wiener Hof und die daraus resultierende Flucht, ihrer Liebe zu Ungarn, ihren Kindern, ihrer Krankheit und letztendlich ihrer Ermordung am Genfer See. Leider ist heutzutage die wahre Persönlichkeit der Kaiserin Sissi durch die gleichnamige Filmfigur der Schauspielerin Romy Schneider aus den 1950er Jahren überdeckt, sodass man in vielen Dingen ein historisch falsches Bild von Elisabeth hat. Regisseur Heinz Beck möchte mit seiner Inszenierung der „echten Sissi“ wieder näher kommen und zeigen, dass sie ein Leben lang für ihre Rechte, Anschauungen und Überzeugungen kämpfen musste, dass sie ihre Entscheidung, Kaiserin von Österreich zu werden sehr schnell bereute und ihr Leben und ihre Stellung nur durch immerwährende Flucht ertragen konnte. Der gewaltsame Tod 1898 am Genfer See war letztendlich eine Erlösung für sie.

40 Kostüme wurden bei Historienschneiderinnen in Auftrag gegeben, Uniformen bei einem speziellen Kostümverleih besorgt. 14 Bühnenbilder mussten entworfen werden, wie das Schloss Possenhofen, die Kaiservilla in Bad Ischl, die Hofburg in Wien, Ungarn, Korfu oder Genf, die mit Einsatz von Projektionstechnik schnell gewechselt werden können. Außerdem versprechen die Theaterfreunde neben einer aufwendigen Ausstattung auch eine unterhaltsame und spannende Geschichte.

In der Rolle der Kaiserin Elisabeth ist Maria Fellner zu sehen, Kaiser Franz Joseph wird gespielt von Michael Cencic, dessen Mutter Erzherzogin Sophie von Gisela Meier. In weiteren Rollen agieren Anne Schoss, Sophie Wittmann, Susanne Meier, Margarete Fellner, Bärbl Schnabl, Willi Wittmann, Gerhard Krizan, Rudolf Pöppel, Konstantin Sprenger und Robert Götzfried.

Premiere ist am 28. Oktober um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Hagelstadt. Gespielt wird außerdem am 29., 30. und 31. Oktober, am 4., 5., 6., 11. und 12. November, jeweils um 19.30 Uhr, an den Sonntagen um 18 Uhr. Karten gibt es ab dem 4. Oktober bei der Raiffeisenbank Hagelstadt zu 13 Euro, zehn Euro (ermäßigt) und sechs Euro für Kinder.

Allgem. Laber-Zeitung vom 23.09.2016

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