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Turbulente Komödie
Theaterfreunde zeigen “Kein Platz für Liebe”

von Thomas Kreissl, MZ vom 15.11.2000

HAGELSTADT. Ab Freitag wird es wieder turbulent zugehen auf der Bühne der Hagelstädter Theaterfreunde. “Äußerst turbulent” sogar, wenn man dem Untertitel ihrer Herbstinszenierung Glauben schenken darf. “Kein Platz für Liebe” heißt das Stück des englischen Autors Anthony Marriott, das die Truppe um Regisseur Heinz Beck am Freitag zum ersten Mal zeigt.

Marriott ist Garant für spritzige und raffiniert konstruierte Komödien-Unterhaltung. Sein Stück “No Sex please, .we 're British” steht im Guinness Buch der Rekorde als Komödie mit der längsten Laufzeit. Es lief über 16 Jahre in London und wurde in 52 Ländern produziert. Bereits zum dritten Mal spielen die Hagelstädter eine Boulevard-Komödie und stoßen damit in eine “kleine Lücke im Regensburger Raum”, wie Heinz Beck im Gespräch mit der MZ betont. Denn gerade klassisches Boulevard-Theater ist seiner Meinung nach nur selten zu sehen. Umso lieber nutzt der Regisseur die Möglichkeiten, die ihm seine Truppe bietet. “Wir haben einfach die Leute für solche Stücke”, weiß Beck, dem Boulevard-Theater “einfach Spaß macht”.

“Kein Platz für Liebe” heißt es am Freitag in Hagelstadt

Seinen Darstellern und den anderen Mitgliedern der Truppe scheint es nicht anders zu gehen. Denn die Entscheidung für die Komödie von Marriott fiel heuer äußerst demokratisch. Zuvor hatte Beck der Theatergruppe zehn Stücke zur Auswahl vorgelegt. Die Mehrheit entschied sich für “Kein Platz für Liebe”.

Eine leicht zu spielendes Stück haben sich die Laienspieler damit aber ganz gewiss nicht ausgesucht. Denn die “sehr sehr flotte und genial gestrickte Komödie” (Beck) verlangt den Schauspielern einiges ab. Rund dreieinhalb Stunden dauert das Marathon-Stück nach Auskunft des Regisseurs. Dreieinhalb Stunden, in denen die neun Darsteller (zwei von ihnen stellt die MZ auf dieser Seite vor) sehr viel Text und temporeiches Spiel bewältigen müssen.

Doch auch die Helfer im Hintergrund sind wieder stark gefordert. So wurden die Kostüme im Stil der 50er Jahre allesamt selbst angefertigt. Und die technische Abteilung musste für das Stück eigens einen Aufzug in das Bünhenbild einbauen. Schließlich mussten die Theaterspieler erfahren, dass sich Musiker höchst ungern von ihrer Instrumenten trennen. Deshalb wurde einfach kurzerhand eine Harfe gekauft.

Der Regisseur

Heinz Beck war von Anfang an mit dabei als die Theaterfreunde vor 21 Jahren gegründet wurden. Der 39-jährige EDV-Fachmann bei der Regierung der Oberpfalz zog zunächst vor allem mit dem mobilen Kindertheater durch den Landkreis. Als Schauspieler bekam er in erster Linie Lehrer- oder Beamtenrollen. “Jugendliche Liebhaber waren nie meine Sache”, erinnert er sich. Seit 1984 hat sich Beck fast ausschließlich der Regie verschrieben. Unter seiner Leitung kehrten die Theaterfreunde zunehmend dem Volkstheater den Rücken und zeigen seitdem vor allem spritzige Boulevard-Komödien, Krimis sogar schon ein Musical. An sein Traumstück hat sich Heinz Beck bisher noch nicht gewagt. Doch im nächsten Jahr soll es soweit sein. Dann steht in Hagelstadt “Das Haus in Montevideo” von Curt Goetz auf dem Spielplan.

Darsteller

Gisela Meier steht schon seit 20 Jahren in Hagelstadt auf der Bühne. Die 41-jährige Bürokauffrau hat bereits in ihrer Schulzeit zum ersten Mal Theaterluft geschnuppert. Bei den Theaterfreunden hat sie fast alles schon gespielt, was es an weiblichen Rollen zu spielen gab. “Vom Bauerntheater bis zum Krimi war alles dabei”, erinnert sie sich. Ob als resolute Bürgermeisterin, in verschiedenen Mutterrollen oder als gewiefte Cafebesitzerin, für Gisela Meier ist vor allem eines wichtig: “Ich muss mich zumindest ein wenig mit meinen Rollen identifizieren können.” An den Theaterfreunden gefällt ihr vor allem die Gemeinsamkeit in der Gruppe “und wie sich irgendwie immer wieder die Stücke entwickeln”. Gisela Meier spielt in “Kein Platz für Liebe” Evelyn Whiting, die Ehefrau eines Hotelgastes und Hornisten.

 

Stefan Effenhauser gehört erst seit drei Jahren zum Hagelstädter Ensemble. Der 23-jährige Pädagogik-Student aus Maxhütte-Haidhof knüpfte über Freunde die Kontakte zu den Theaterfreunden. Schon mit zehn Jahren stand Effenhauser zum ersten Mal auf der Bühne. Zum “ganz starken Hobby” entwickelte sich das Theater für ihn vor allem am Burglengenfelder Gymnasium, wo er lange Jahre in der Theatergruppe spielte und noch heute Produktionen mit inszeniert. Darüber hinaus hat er aber auch schon an Projekten unter anderem, mit dem Regensburger Schauspieler Sepp Fischer mitgewirkt. Stefan Effenhauser verkörpert in dem neuen Stück die Rolle von Clifford Smith, einem Hotelgast in Flitterwochen.

 

Viele Katastrophen um einen Platz für Liebe
Theaterfreunde Hagelstadt begeistern mit “Kein Platz für Liebe” / Viel Witz und noch mehr Tempo

von Thomas Kreissl, MZ vom 29.11.2000

HAGELSTADT. Am Schluss finden sie doch einen Platz für Liebe. Dass Clifford Smith und seine eben erst angetraute Ehefrau Julie das schaffen, grenzt an ein Wunder. Dreieinhalb Stunden lang stolpert das junge Paar auf der Bühne in der Hagelstädter Mehrzweckhalle von einer Katastrophe in die nächste. Mit viel Witz und noch mehr Tempo präsentieren die Theaterfreunde Anthony Marriotts Verwechslungskomödie “Kein Platz für Liebe”.

Mit ihrer Herbstinszenierung beweisen die Hagelstädter Laienspieler wieder einmal eindrucksvoll und höchst vergnüglich: Boulevard-Theater ist ihre große Stärke. Wenn es turbulent zugeht auf der Bühne, dann ist die Truppe um Regisseur Heinz Beck in ihrem Element. Überzeugende Charaktere, stimmige Pointen und Tempo, Tempo, Tempo - in “Kein Platz für Liebe” laufen die Theaterfreunde zu großer Form auf. Unübersehbar ist dabei die Hand von Heinz Beck. Spritzige Boulevard-Komödien sind sein Ding - und eine aus der Feder von Anthony Marriott erst recht. Der englische Autor besticht durch seinen Wortwitz und raffiniert-konstruierte Geschichten. Schade nur, dass es ihm ein wenig schwer fällt, ohne immer neue aber irgendwie ähnliche Wendungen zum Schluss zu kommen.

Gefangen in der Harfe: Manuela Pöppel und Stefan Effenhauser in
der Rolle des frischgebackenen Ehepaars Clifford und Julie Smith

Die Gäste, die an diesem Spätsommerabend nach und nach im reichlich maroden Laws Hotel in Kingstanton eintreffen, lassen aber auch nichts Normales erwarten. Ihr übriges tun dazu Renate Thanner als Hotelmanagerin Miss Faulty und Georg Licntenegger als etwas blasser Hotelportier Albert. Erstere trägt mit stets wichtiger Unschuldsmiene eine penetrant gewöhnliche Parfumwolke vor sich, her. Letzterer bemüht sich – wenn er nicht gerade eine Harfe durch die Gegend schleift - weder an Hotel noch Gästen ein gutes Haar zu lassen.

Das ist ihm aber zumindest dann nicht übel zu nehmen, wenn Harfenistin Winifred Garfield durch das liebevoll bis ins letzte Detail auf Kitsch getrimmte, pinkfarbene Bühnenbild rauscht. Alexandra Meier lebt diese gewaltige Erscheinung von einer Frau, die mit fast traumwandlerischer Sicherheit Missverständnisse produziert. Ob im Wollknäuel-Clinch mit ihrem Ehemann oder als Kissen- und golfschlägerschwingende rachsüchtige Furie, Meiers Spiel reißt mit und weckt spontanes Mitleid mit allen unterdrückten Männern dieser Welt.

Einer davon ist ihr Gatte Dr. med. George Garfield alias Rudolf Pöppel, der sich eigentlich nur ein amüsantes Liebeswochenende mit seiner attraktiven Sprechstundenhilfe Michele (verführerisch naiv: Monika Sellner) leisten wollte. Dazu kommt es allerdings nicht, weil seine Frau überraschend im gleichen Hotel absteigt. Der untreue Doktor hat alle Hände voll zu tun, den Nachstellungen seiner eifersüchtigen Ehefrau zu entgehen. Da heißt es, selbst in den ausweglosesten Situationen um keine Ausrede verlegen zu sein - eine Rolle, die Pöppel überzeugend meistert.

Eine Furie in Aktion: Alexandra Meier jagt
ihren “Ehemann “ Rudolf Pöppel

Alle Ausreden nutzen freilich Clifford Smith nichts mehr. Der bedauernswerte Verkäufer aus der Bettenabteilung eines Kaufhauses hatte sich so sehr auf die Flitterwochen mit seiner Braut Julie aus der Babyabteilung gefreut. Doch sein “Eichhörnchen” landet schwer schluckauf-geplagt erst einmal nicht in seinem Bett. Das tun dafür praktisch alle anderen weiblichen und sogar ein männlicher Gast. Clifford ist dem Wahnsinn nahe und eine Paraderolle für Stefan Effenhauser. Mit unnachahmlicher Mimik fegt Effenhauser so sehr durch die Kulisse, dass ihm selbst die hallenbreite Hagelstädter Bühne zu klein zu werden droht. Jeder Körperteil spielt, jeder Muskel leidet bei ihm mit, wenn eine Katastrophe nach der anderen über ihn hereinbricht.

Da ist es für Manuela Pöppl als seine eben angetraute Frau Julie nicht leicht, mitzuhalten. Doch souverän meistert sie ihren Part der naiven Braut, die bei jedem Gedanken an die Hochzeitsnacht in einen Schluckauf-Krampf ausbricht und ob der vielen Frauen im Bett ihres “Bärchens” der Verzweiflung nahe ist.

Die Verwirrung komplett machen schließlich Hornist Douglas Whiting und seine Frau Evelyn. Sturzbetrunken und stets auf der Suche nach ihren angelegten Gin-Verstecken landet Gisela Meier als Evelyn irgendwie einfach immer wieder im Bett des jungen Ehepaars, während Hans Lichtenegger als ihr cholerischer Mann mit seinem Horn fast jedes Zimmer erkundet. Beide liefern eine starke Vorstellung ab.

 

In der Farce kein Platz für die Liebe?
“Bärchen” kommt mit “Eichhörnchen” partout
nicht ins Bett – Hagelstädter spielen Theater

Allgemeine Laber-Zeitung vom 29.11.2000

(lab) Der Raum Regensburg braucht kein Boulevard-Theater - er hat es bereits - in Hagelstadt. Keine Profi-Schauspieler sind hier am Werk, nein, allesamt Amateure, aber was für welche. Dass die Hagelstädter Theaterfreunde mit ihrem langjährigen Regisseur Heinz Beck bemerkenswerte Inszenierungen auf die Bühne bringen, ist seit vielen Jahren bekannt. So auch dieses Mal. Die Farce “Kein Platz für Liebe” des englischen Erfolgsautors Anthony Marriott hatte sich die engagierte Theatergruppe für die diesjährige Herbstinszenierung ausgesucht und damit einen Volltreffer gelandet. Drei Stunden Komödienunterhaltung vom Feinsten.

Anthony Marriott ist bekannt für seine raffiniert konstruierte, spritzige Boulevard-Unterhaltung. Eines seiner Stücke hält sogar den Weltrekord als Dauerbrenner. Es wird seit über 16 Jahren en suite gespielt und steht im Guinessbuch der Rekorde.

“No Room For Love” - so der englische Originaltext - ist auch im deutschen Sprachraum ein viel gespieltes Stück. Marriotts Vorlieben für Frauen, Sex und Lachen spiegelt sich unweigerlich in seinen Stücken wider. Als ehemaliger Schauspieler weiß er genau, was Bühnen, Darsteller suchen und das Publikum liebt - flotte, amüsante Unterhaltung mit Schwung und Temperament und witzigen, intelligenten Dialogen. Lediglich zwei Monate hatten die Theaterfreunde Zeit, um dieses Marathonstück zu produzieren. Neben der Probenarbeit werden auch die Kostüme (hier fünfziger Jahre) selbst entworfen und geschneidert, Kulissen angefertigt und das Bühnenbild der 55 Quadratmeter großen Bühne in der Hagelstädter Mehrzweckhalle gebaut. Und auch das können sie. Sowohl die Ausstattung der Schauspieler (Maske: Theresa Haimerl, Daniela Münzer, Frisuren: Helga und Natascha Ascher) als auch das Hotelzimmer nebst Flur und Lift waren bis ins kleinste Detail durchdacht und durch die vorherrschende rosa Farbe gewollt kitschig gehalten.

Dr. Garfield (Rudolf Pöppel) hat es mit seiner ehelichen Xanthippe nicht leicht ...
 lieber würde er sich mit seiner Geliebten (Monika Sellner) vergnügen

Akteure in diesem “Räumchen wechsle dich”-Theater sind neben der Hotelmanagerin und dem Hotelportier drei überaus unterschiedliche Pärchen - und die temperamentvolle Mrs. Garfield, die bei dem Musikfestival für eine erkrankte Harfenistin einspringen muss.

Renate Thanner als vielgeplagte, parfümversprühende Hotelmanagerin Mrs. Faulty versteht es nahezu perfekt, dieser Rolle einen Charakter zu verpassen. Ihr überdimensionales Portrait in der Hochzeitssuite mit prüfendem Blick auf das dortige Doppelbett ist ein kluger Regieeinfall. An ihrer Seite Albert, der unverschämte Hotelportier mit den zwei linken Händen. Durch wortgewandte Geschicklichkeit versteht er es immer wieder, seine verbale Impertinenz den Hotelgästen gegenüber zu vertuschen. Seine Hauptaufgabe: Koffer und eine Harfe in einer betulichen Regelmäßigkeit von einem Zimmer ins andere zu schaffen. Georg Lichtenegger meistert seinen Part mit einer erheiternden Souveränität.

In der Rolle des Dr. George Garfield agiert Rudolf Pöppel. Nur ein “flottes Wochenende” mit seiner Geliebten wollte er in diesem Hotel verbringen und fürchtet am Ende, betrunken in einer Bahnhofstoilette zu landen. Mrs. Winifred Garfield ist eine Paraderolle für Alexandra Meier. Bereits ihr erstes Erscheinen auf der Bühne ist Vorbote ihres temperamentvollen Spiels. Im schwarzweiß gemusterten Kostüm mit “Harfenhut” rauscht sie von einem Zimmer ins andere, stets darauf bedacht eine noch größere Verwirrung zu hinterlassen. Ebenfalls ein Opfer der Missverständnisse ist die Sprechstundenhilfe und Geliebte Dr. Garfields, Michele, herrlich verführerisch, mit einem Schuss Naivität gespielt von Monika Sellner. Das junge Paar, das sich in den Flitterwochen befindet, Julie und Clifford Smith, will das “erste Mal” hinter sich bringen. Dass daraus vorerst nichts wird, ist selbstverständlich. Mittelpunkt des Verwirrspiels ist ohne Zweifel Stefan Effenhauser als Clifford, dem Bettenverkäufer, der von seinem “Eichhörnchen” liebevoll “Bärchen" genannt wird. Er ist der, der mit fast allen im Bett landet, nur nicht mit seiner Frau. Seine Hochzeitsnacht wird immer erneut verhindert und dazu die Angst, dass man aus ihm einen “Singvogel” machen möchte. Das ist zuviel für den zarten, schüchternen Clifford, dem man auch noch einredet, seine Frau wäre eine Kurtisane. Effenhauser beweist auch in dieser Rolle, Theaterspiel ist Begabung und Auseinandersetzung mit einer Rolle. Er hat und tut beides. Wahnsinn, mit welchem Tempo, welcher Energie, welcher Mimik er über die Bühne fegt und sämtliche Register zieht. Sein “Clifford ist bestes Komödien-Theater.

Clifford Smith, alias Stefan Effenhauser, würde seine Hochzeitsnacht doch lieber
 mit seiner Angetrauten verbringen ... und wird nicht nur vom Portier daran gehindert

Dass jedoch auch kleine Rollen groß rauskommen können, bewies das dritte Pärchen in diesem verrückten Verwirrspiel. Gisela Meier und Hans Lichtenegger als Evelyn und Douglas Whiting. Er leicht erregbarer Hornbläser, sie Gin-Liebhaberin.

Auch die Techniker der Theaterfreunde (Robert Albrecht, Bernhard Rank) hatten alle Hände voll zu tun. Die szenisch eingesetzte Musik unterstrich turbulente Handlungen und wurde dramaturgisch geschickt eingebaut. Als Souffleuse agierte Evelyn Albrecht.