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“Mördergesellschaft” in Hagelstadt
Theaterfreunde inszenieren amüsante Groteske von Robert Thomas

Allgemeine Laber-Zeitung vom 18.10.1996

Hagelstadt. “Wir möchten auf gar keinen Fall auf ein bestimmtes Genre festgelegt werden”, so 1. Vorsitzender der Hagelstädter Theaterfreunde, Heinz Beck, “deshalb gibt's als Herbstinszenierung auch eine Kriminalkomödie”, deren Proben momentan laufen.

Der Autor Robert Thomas hat mit seiner “Mördergesellschaft” eine spritzige und äußerst amüsante Groteske geschrieben, die bisher leider nur sehr selten auf Laienbühnen zu sehen war. Der Grund dafür mag sein, daß die sechs Bühnenbilder während des Stücks über 29mal gewechselt werden müssen und fast jede der acht Rollen an die 200 Einsätze hat.

Die Theaterfreunde spielen die “Mördergesellschaft” in einer bearbeiteten Fassung des “Blutenburg-Theaters” - Münchens einziger Kriminalbühne. Der Wechsel der Bühnenbilder wird so gelöst werden, daß der Fluß des Stücks nicht darunter leidet. Vom Inhalt kann natürlich nicht zuviel verraten werden - das ist halt so bei Kriminalstücken -, nur soviel, daß drei Männer eines kleinen französischen Provinzstädtchens eine Gesellschaft zur Beseitigung ihrer “weiblichen Anhängsel” gründen - eben die “Mördergesellschaft”. Das Vorhaben der gegenseitigen Hilfe scheint zwar in der Theorie ganz einfach zu sein, doch die praktische Ausführung belehrt die Gesellschaft eines Besseren. Selbstverständlich kommt es am Ende doch ganz anders, als man vermuten möchte.

“Wir haben dieses Stück ausgewählt, weil es so ganz anders ist als die herkömmlichen Kriminalkomödien”, so Regisseur Heinz Beck. “Durch seine groteske Überzeichnung hat es der Autor geschafft, dem Stück von Anfang bis Ende eine schwungvolle und wortwitzreiche Handlung zu 'verpassen.” Eine Komödie stellt normalerweise größere schauspielerische Anforderungen an die Spieler, als ein ernstes Stück. Diese Erfahrung haben auch die Hagelstädter Amateurspieler gemacht. Die Grenze zwischen gutem Humor und kitschiger Übertreibung entpuppt sich oft als eine Gratwanderung. Die insgesamt acht Rollen sind alle im Charakterfach angesiedelt, so daß auf typengerechte Besetzung großer Wert gelegt wurde.

Als Darsteller agieren: Rudolf Pöppel als charmanter, älterer Baron de Grandterre, Heidi Schiller als seine politisch engagierte und tyrannische Ehefrau Thérèse, Hans Lichtenegger spielt den Junggesellen und Cafébesitzer Paul Pitard, der es mit seiner jungfräulichen und geifernden Schwester Berthe (Gisela Meier) nicht mehr aushält. Auch der junge, sympathische Journalist Léo Barbize (Armin Meier) ist mit seiner “besseren” Hälfte Julie (Monika Sellner), einem vermeintlichen Show-Star, mehr als geschlagen. Die Rolle des karrieresüchtigen Polizei-Hauptmanns Colombani wird von Helmut Auburger übernommen, die der ebenso hübschen wie frechen Nichte Nénette von Manuela Pöppel. Premiere in der Hagelstädter Mehrzweckhalle wird am 29. November sein. Weitere Aufführungstermine sind 30.11../1., 6. und 7. 12. 1996. Der Karten Vorverkauf beginnt am 11. November bei den örtlichen Banken.

 

“Mördergesellschaft" will Karrierefrauen stoppen
Hagelstädter Theaterfreunde bringen Kriminalstück auf die Bühne /
Zum Textlernen in die Badewanne

Von Claudia Böken – MZ vom 28.11.1996

HAGELSTADT. Baronin Theérèse de Grandterre möchte in die Politik gehen - entsetzlich für ihren Ehemann. Berthe Pitard sehnt sich nach Liebe und Zärtlichkeit und gibt Heiratsannoncen auf - unerträglich für ihren Bruder. Julie Barbize träumt von einer Show-Karriere und geht auch noch fremd - zuviel für ihren Angetrauten. Die drei Mähner beschließen, sich ihrer weiblichen Familienmitglieder zu entledigen und gründen zu diesem Zweck “Die Mördergesellschaft” - ab diesem Wochenende auf der Bühne der Hagelstädter Theaterfreunde in der örtlichen Mehrzweckhalle.

Seit zwölf Jahren im Visier

Mit dem Kriminalstück des französischen Autors Robert Thomas geht der Vorsitzende der “Theater- freunde” und zugleich ihr Regisseur, Heinz Beck, bereits seit zwölf Jahren schwanger. Damals sah er es als deutsche Erstaufführung des Blutenburg-Theaters in München. Bis jetzt dauerte es, bis er es in Hagelstadt auf die Bühne bringen konnte. Bislang fehlten die technischen Voraussetzungen, muß doch während der etwa dreieinhalbstündigen Aufführung allein die Bühne 16mal umgebaut werden.

Und auch die Darstellerfrage warf gewisse Probleme auf, denn alle acht Akteure spielen quasi Hauptrollen mit bis zu 250 Einsätzen. Das verlangt von den Schauspielern Durchhaltevermögen.

An Auswahl für die Besetzung von Stücken mangelt es Heinz Beck nicht. Immerhin hat der Verein 102 Mitglieder aller Altersklassen, davon allerdings auch eine ganze Anzahl passiver. “Oft sind ganze Familien bei uns”, erzählt der Vorsitzende der Theaterfreunde. Zum Beweis zeigt er das Programm für die “Mördergesellschaft”. Der Name Pöppel taucht gleich viermal auf: Rudolf als Baron de Grandterre, Manuela als Nenette Colombani, Michael und Markus als Zuständige für Beleuchtung und Ton, Traudl hilft während den Aufführungen bei der Bewirtung der Zuschauer. Ähnlich ist es im Hause Meier: Gi- sela spielt Berthe Pitard, Armin den Redakteur Barbize und ist zugleich verantwortlich für die Technik, Sepp ist der Bühnentechniker und Gerda ist ebenfalls bei der Gästebewirtung im Einsatz.

Trotzdem war dann die Wahl der acht Darsteller gar nicht so einfach. “Am Anfang denkt man, die Rolle schafft man nie”, weiß Gisela Meier (Berthe Pitard) aus Erfahrung, und auch Monika Sellner (Julie Barbize) hatte vor ihrem frivolen Part einigen Bammel. Ganz anders sollte es eigentlich bei Heidi Schiller gewesen sein. Der Gemeinderätin der Wählergemeinschaft müßte doch eigentlich die Rolle der nach dem Bürgermeisteramt strebenden Baronin de Grandterre auf den Leib geschneidert sein. Weit gefehlt - meint sie selbst. Regisseur Beck will sie als herrische Karrierefrau auf der Bühne sehen, ganz anders, als sie im “richtigen Leben” ist.

So unterschiedlich wie die Charaktere der dargestellten Personen ist die Art der Akteure, die Texte zu lernen. Hans Lichtenegger (Paul Pitard) trägt seine Textzettel - handlich zusammengefaltet - immer in der Hosentasche, damit er im Bus jederzeit lernen kann. Armin Meier (Leo Barbize) verinnerlicht seine Rolle am liebsten in der Badewanne. Gisela Meier schwört auf die Methode des abendlichen Büffelns im Bett, während Manuela Pöppel (Nenette Colombani) freimütig zugibt, Texte überhaupt nicht auswendig zu lernen, was ihr den boshaften Kommentar einträgt: “Das hat man auch gemerkt; zumindest am Anfang.”

Streit im Hause Barbize; da schwingt Mordlust mit

Von all dem merkt man bei der Probe am Montag abend, der vorletzten vor der Premiere, nichts mehr. Als Polzeihauptmann Colombani (Helmut Auburger) die Bühne betritt, herrscht allgemeine Konzentration. Schließlich wird an diesem Abend erstmals das komplette Stück in der Mehrzweckhalle durchgespielt. Bei den vorausgegangenen monatelangen Proben wurden auf der viel kleineren Bühne des Bunkertheaters die Szenen ohne Zusammenhang durchgegangen.

Baron Grandterre ist am Anfang noch etwas nervös, findet aber bald in seine Rolle, Paul Pitard bekommt einen Lacher, weil er einen Teil der Requisite vergessen hat. Souffleuse Sieglinde Lichtenegger braucht kaum einzugreifen, “Hänger” im Text sind ausgesprochen selten. Regisseur Heinz Beck ist weitgehend zufrieden. Daß er so wenig Hilfestellung geben muß bei dieser ersten Gesamtprobe, hatte er nicht zu hoffen gewagt.

Ein Zusatztermin

Die “Hagelstädter Theaterfreunde” haben längst eine große Fan-Gemeinde. Die Aufführungen am 29. und 30. November, am 1., 6. und 7. Dezember waren in kürzester Zeit ausverkauft. Um Interessenten, die beim Vorverkauf zu spät gekommen sind, auch noch eine Chance zu geben, wurde für den 4. Dezember eine zusätzliche Vorstellung eingeschoben, für die es noch Karten gibt.