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Traumstück mit Musik
Theaterfreunde zeigen “Haus in Montevideo”

Von Thomas Kreissl, MZ vom 15.11.2001

HAGELSTADT. Eigentlich sollte “Das Haus in Montevideo” seine letzte Inszenierung werden - zumindest vorläufig. Doch Heinz Beck kann es eben doch nicht lassen - zumindest die nächsten Jahre. Der Regisseur der Hagelstädter Theaterfreunde wird auch nach der aktuellen Inszenierung weitermachen und mit seiner Truppe anspruchsvolles Laientheater auf die Bühne in der Mehrzweckhalle bringen.

Allerdings hat Beck im Moment sowieso keine Zeit, Gedanken an Dinge zu verschwenden, die erst nach dem 16. November interessant werden. An diesem Tag feiert die Laienspielgruppe die Premiere ihrer neuen Produktion. “Eines meiner Traumstücke”, wie der Regisseur im Gespräch mit der MZ verrät. Verliebt hat er sich in die Komödie von Gurt Goetz durch den gleichnamigen Film mit Heinz Rühmann. Kein Wunder: Heinz Beck holt sich viele seiner Anregungen fürs Theater aus dem Kino oder dem Fernsehen. Da hat er keinerlei Berührungsängste. Im Gegenteil - gerade beim “Haus in Montevideo” wird sich die in Hagelstadt gezeigte Fassung weit mehr an dem 1963 entstandenen Film anlehnen, als an das 1945 uraufgeführte Bühnenstück.

Die Laienspieler der Hagelstädter Theaterfreunde bei der Probenarbeit
zu “Das Haus in Montevideo”

“Es ist halt, ein Ausstattungsstück”, schwärmt Beck, der ein Faible für aufwändige Bühnenbilder und prächtige Kostüme hat. “Und wir können viel Musik einbauen”, nennt der Regisseur noch einen weiteren Grund, warum er sich für das Stück von Curt Goetz so begeistern kann.

Die Hagelstädter Theaterfreunde haben sogar alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass am Freitag erstmals wieder ein Lied gesungen wird, dass seit beinahe 40 Jahren nicht mehr öffentlich zu hören war. Der eigens für den Film von Franz Grothe komponierte “Tango Montevideo” wurde für die Hagelstädter Inszenierung neu arrangiert und vom Regensburger Grammophon-Orchester im Studio auf CD aufgenommen. Diese Fassung wird bei den Vorstellungen eingespielt, gesungen und getanzt wird dazu live auf der Bühne. Ganz auf digitale Tontechnik setzt die Laienspielgruppe auch bei den weiteren Musikeinspielungen, die allesamt im original aus dem Film von 1963 entnommen und digital für die Inszenierung aufbereitet wurden. “Wir hoffen damit, ein wenig von der Atmosphäre des Films auf die Bühne zu bringen”, erklärt Beck.

Der Regisseur hatte aber noch einen Grund, der ihn dazu bewog, nach drei Verwechslungskomödien in Folge eine Komödie ganz anderer Art auf die Hagelstädter Bühne zu bringen. Er wollte die stark angewachsene und enorm spielfreudige Kindergruppe des Theatervereins in ein abendfüllendes Stück mit einbinden. “Mit zwölf Kinderrollen ist das Stück dafür geradezu prädestiniert”, betont Beck. Insgesamt sind in der Komödie 24 Darsteller zu sehen, die in zwei Bühnenbildern agieren.

Das Stück

Das Stück erzählt von Professor Dr. Traugott Hermann Nägler. Mit seiner Frau Marianne und den zwölf Kindern scheint alles seinen gewohnten Lauf zu nehmen. Doch die Nachricht vom Tode der Schwester des Professors und einer in Aussicht stehenden Erbschaft bringt die Idylle gehörig durcheinander. Um das Erbe anzutreten, ist eine Reise nach Montevideo erforderlich. Dorthin hatte es die verstorbene Josephine Nägler verschlagen, nachdem sie von ihrem Bruder wegen eines unehelichen Kindes aus der Familie ausgestoßen worden war.

Der Autor

Curt Goetz wurde 1888 in Mainz geboren. Er wuchs in Halle an der Saale auf. Sein Berufswunsch Arzt blieb unerfüllt. Mit 18 Jahren ging er als Schauspieler zum Theater und kam über Provinzbühnen nach Berlin. 1911 schrieb er sein erstes Stück “Der Lampenschirm”. Es folgten so bekannte Stücke wie “Ingeborg”, “Hokuspokus”, “Der Lügner und die Nonne”, “Dr. med. Hiob Prätorius” und “Das Haus in Montevideo”, das 1945 in New York und am 1950 im Renaissance-Theater in Berlin uraufgeführt wurde. Goetz verfilmte einige seiner Bühnenstücke selbst. Er starb am 12. September 1960 im Kanton St. Gallen.

Die Darsteller

Theresa Hurzlmeier steht am Freitag zum ersten Mal in ihrem Leben auf einer Theaterbühne. Die 18-jährige Schülerin, die in dem Stück die Rolle der Atlanta verkörpern wird, gehört erst seit kurzem zum Ensemble der Theaterfreunde. Dazu gebracht hat sie ihr Bühnenpartner Georg Lichtenegger. Mittlerweile ist die Leidenschaft geweckt. “Es macht sehr viel Spaß”, erzählt die Langenerlingerin von der Arbeit an dem Stück und der “Super-Gemeinschaft” bei den Theaterfreunden.

Georg Lichtenegger ist bei der aktuellen Inszenierung wieder einmal in doppelter Funktion gefordert. Neben der technischen Leitung für die Produktion hat der 18-jährige die Rolle des Ingenieurs Herbert Kraft übernommen. Seit 1995 gehört der Auszubildende zu der Truppe und hat sich zunächst fast ausschließlich um die Technik gekümmert. Als Schauspieler ist der Auszubildende seit 1999 zu sehen. Daran begeistert ihn vor allem, in eine Rolle zu schlüpfen, die mit der eigenen Person gar nichts zu tun hat. Gerne würde Lichtenegger deshalb auch mal in die Rolle eines Schurken oder Bösewichts schlüpfen. “Das würde mich reizen", sagt er.

Rudolf Pöppel ist ein Urgestein der Theaterfreunde. Er war es, der den Verein mit gegründet hat und seitdem in zahllose große Rollen geschlüpft ist. Der erste Kontakt zum Theater reicht aber viel weiter zurück. Als Schüler des Karmelitenseminars stieß er zur Theatergruppe, weil er als Jüngster und Kleinster in dem engen Souffleurkasten Platz fand. Mittlerweile setzt alljährlich in den Sommerferien das große Kribbeln ein. Und fast zu Entzugserscheinungen kommt es bei dem 47-jährigen Lehrer, wenn er aus beruflichen Gründen mal pausieren muss. Besonders hingezogen fühlt sich Pöppel zu den Stücken von Ludwig Thoma und zu seiner Lieblingsrolle, dem “Brandner Kaspar”.

 

Erfrischendes Amateurtheater

Erfrischendes Amateurtheater auf hohem Niveau beiten die Theaterfreunde Hagelstadt mit der Komödie “Das Haus in Montevideo” von Curt Goetz. Noch zweimal wird das Stück gezeigt.

 

Wenn hohe Moral verführt wird:
Spaß satt bei den Theaterfreunden
Erfrischendes Amateurtheater in Hagelstadt:
“Das Haus in Montevideo"

VON THOMAS KREISSL, MZ vom 21.11.2001

HAGELSTADT. Das macht Spaß: Eine genialer Autor, dessen Stück vor Wortwitz geradezu sprüht, ein spielfreudiges Ensemble, das sich mächtig ins Zeug legt und ein detailverliebter Regisseur, dessen gelungene Inszenierung einen rundum vergnüglichen Theaterabend beschert. Die Theaterfreunde Hagelstadt liefern mit ihrer aktuellen Inszenierung ein Meisterstück ab. Mit der Komödie “Das Haus in Montevideo” von Curt Goetz zeigen die Hagelstädter Laienspieler erfrischendes Amateurtheater auf hohen Niveau.

Den Grundstein dafür legte Regisseur Heinz Beck schon mit der Stückauswahl. Da hat einer zur Feder gegriffen, der wahrlich etwas davon versteht, Komödien zu schreiben. Autor Curt Goetz charakterisiert die Menschen mit ihren kleinen Schwächen gar nicht so viel anders, als wir es selbst sind. Ungeheuer humorvoll zeichnet er den Konflikt zwischen der hohen Moral und der menschlichen Versuchung. Und er brennt dabei ein wahres Feuerwerk an Sprachwitz ab.

Dass sich der Funke, den der Autor entzündet, auf Ensemble und Publikum gleichermaßen überspringt, ist das Verdienst von Heinz Beck. Der Inszenierung ist das Herzblut, das der Regisseur in “eines seiner Traumstücke” gesteckt hat, in jeder Szene anzusehen. Da versteht einer zu inszenieren. Wie er Charaktere herausarbeitet, wie er Spannungsbögen aufbaut und wie er die Originalmusik aus der Verfilmung mit Heinz Rühmann in das Bühnenstück mit einbaut, ist sehens- und hörenswert. Und der Regisseur hat Mut. Genau dort, wo wohl viele Theatergruppen vor dem Griff zu dem Stück zurückschrecken würden, setzt Beck gleich zu Beginn Höhepunkte. Die Auftritte der zwölfköpfigen Kinderschar holen die Zuschauer ohne Anlauf ins Stück, lassen das Leben im Hause Nägler greifbar werden.

Der Regisseur kann dabei auf ein 24-köpfiges Ensemble bauen, das enorm engagiert und mit großen Können zu Werke geht. Allen voran Rudolf Pöppel, der in seiner fast pausenlose Bühnenpräsenz alle Facetten zeigt, die in der Figur des Professor Dr. Traugott Nägler stecken. Ob unbarmherziger Bruder, verliebter Gemahl, sittenstrenger Vater, schwankender Moralapostel oder unnachsichtiger Oberlehrer - Pöppel versteht zu spielen. Und hat starke Partner neben sich.

So Alexandra Meier in der Person seiner Frau Marianne: Sie ist die ergebene Gemahlin, fürsorgliche Mutter, hält den Laden zusammen und lässt ihr “Traugottchen” glauben, glauben, das sei sein Verdienst. Oder etwa Willi Wittmann als Pastor Riesling als wunderbarer Gegenpart zu Pöppel. Spar- sam, aber ungemein treffend in Worten, Mimik und Gestik ist er gutes und schlechtes Gewissen des Professors in einem.

Verliebt aber begriffstutzig: Ingenieur Kraft mit seiner
Verlobten Atlanta

Sichtlich wohl in seiner Rolle fühlt sich Georg Lichtenegger, der den Ingenieur Herbert Kraft verkörpert. Er liebt Näglers älteste Tochter Atlanta und versinkt in (Ehr)furcht vor dem Professor. Besonders in den Duetten mit letzterem läuft Lichtenegger zu bestechender Form auf. Man will ihm fast beistehen in seiner grenzenlos unterwürfigen Begriffstutzigkeit. So ganz leicht macht es ihm der Nägler aber auch nicht, wenn er warnt, “dass es ein Unding wäre, die Süßspeise zu essen, aber die Suppe nicht zu heiraten”. Die Suppe soll in. diesem Fall Atlanta sein, in deren Rolle Theresa Hurzlmeier das erste Mal auf der Bühne steht und sich überzeugend präsentiert.

“Traugottchen” in Nöten: Madame de la Rocco heizt ihm gehörig ein.

Geradezu ein Vergnügen ist es, Renate Thanner als Madame de la Rocco auf der Bühne agieren zu sehen. Sie ist die lächelnde Anmut persönlich in ihrem Spiel mit dem reichlich verwirrten Professor. Zum Erlebnis wird ihr “Tango Montevideo” mit den Tänzerinnen Monika Sellner, Theresa Haimerl, Jeannine Schmidt und Elisabeth Kuhn. Versuchung pur für Pastor und Professor - Spaß satt für die Zuschauer. Ganz nach dem Motto von Curt Goetz: “Wenn ich ins Theater gehe will ich lachen oder weinen. Und wenn ich dann nach Hause gehe, dann will ich mich nicht genieren, das ich gelacht oder geweint habe.”

 

Ein heiteres Stück rund um die Moral Rund
1000 begeisterte Zuschauer verfolgten Theater
“Das Haus in Montevideo”

Allgemeine Laber-Zeitung vom 26.11.2001

(lab) Als Curt Goetz seinen Einakter “Die tote Tante” in ein Abend füllendes Stück umschrieb und dieses als “Das Haus in Montevideo” 1945 in New York uraufgeführt wurde, dachte er mit Sicherheit nicht daran, dass es ein Klassiker werden würde, der auch nach 60 Jahren die Theaterhäuser noch füllt. Vielleicht ging es Heinz Beck, dem Regisseur der Hagelstädter Theaterfreunde ähnlich, als er für die diesjährige Produktion eben diese Komödie auswählte. Ein Klassiker allein verspricht noch lange nicht eine erfolgreiche Inszenierung. Legt man aber ein Stück in die Hände der seit Jahren bewährten Theatergruppe, so sieht die Sache schon etwas anders aus. Nachdem man in den letzten drei Jahren mit großem Erfolg auf turbulente Verwechslungskomödien gesetzt hat, war es unbedingt notwendig, so Heinz Beck, die Richtung ein wenig zu ändern.

24 Schauspieler auf und sechs Maskenbildner, Haarstylisten und Techniker hinter der Bühne waren beteiligt. Prächtig die beiden Bühnenbilder. Der erste und letzte Akt zeigen den Salon der kinderreichen Familie des Professor Nägler mit der typisch schwülstigen Atmosphäre Jahrhundertwende. Im farbenprächtigen Kontrast dazu die beiden Montevideo-Akte. Die Geschichte des “Haus in Montevideo” hält den Menschen in Sachen Moral einen Spiegel vor. Wer die Komödie aufmerksam verfolgte, musste zu dem Entschluss kommen: kein Mensch ist unfehlbar. Das musste auch Professor Traugott Nägler erkennen. Nachdem er seine Schwester im Alter von 17 Jahren wegen der Geburt eines uneheliches Kindes verstoßen hatte, führt er seine Familie mit “strenger Hand”. Die zwölf Kinder werden nach seinen moralischen Grundprinzipien erzogen, dürfen keine Widerworte geben. Eines Tages erreicht Nägler die Nachricht vom Tod seiner Schwester. Diese vermacht Atlanta, der ältesten Tochter des Professors, ein Haus in Montevideo, mit “allen Rechten und Pflichten”. Am Ort angekommen, erfährt Traugott Nägler, dass auch eine größere Geldsumme im Spiel ist, jedoch mit einer Klausel versehen: Ein Familienmitglied muss das gleiche Schicksal wie die Verstorbene ereilen. Ansonsten kommt der sechsstellige Betrag einer Stiftung zugute. Der Professor gerät ins Grübeln. Doch alle Bemühungen sind vergebens. Das Geld rückt in weite Ferne, kein uneheliches Kind ist in seiner Familie “in Sicht”. Per Zufall erfährt Traugott Nägler schließlich, das seine Ehe mit Frau Marianne ungültig ist. Somit sind seine zwölf Kinder alle unehelich geboren worden, der Geldbetrag ist ihm sicher. Frohen Herzens willigt er darauf hin in die Heirat seiner Tochter Atlanta mit einem schüchternen Architekten ein.

Pastor Riesling (Willi Wittmann) und der Professor (Rudolf Pöppel) werden
 von schönen Tänzerinnen umgarnt.

Hauptdarsteller Rudolf Pöppel scheint die Rolle des Familienoberhaupts Prof. Traugott Hermann Nägler auf den Leib geschrieben zu sein. In nichts nach steht ihm Marianne, die liebende, treusorgende Ehefrau und Mutter von zwölf Kindern. Alexandra Meier versteht, es die von Autor Curt Goetz angelegten Charakterzüge umzusetzen. Die älteste Tochter Atlanta wird von Theresia Hurzlmeier gespielt.

Über 1000 Zuschauer zeigten sich von der diesjährigen Inszenierung der Hagelstädter Theaterfreunde begeistert. Man darf gespannt sein, welches Stück sich diese engagierte Amateurgruppe um Regisseur Heinz Beck für die nächstjährige Produkte aussuchen wird.